Telefonbuch – wer brauch das eigentlich noch?

Heute vor 130 Jahren erschien in Deutschland das erste Fernmeldeteilnehmerverzeichnis – kurz Telefonbuch. Bis vor wenigen Jahren war das eine tolle Erfindung, will man jemanden anrufen, dessen Nummer man nicht kennt. Heute nerven mich diese Nachschlagewerke. Internet macht sie überflüssig. //

Ohne Ö fehlt dir was? Ja. Grillanzüger, Briefbeschwerer oder einfach Altpapier.

Sie nehmen einfach nur Platz weg und werden gar nicht benutzt: Das Regionale Telefonbuch für den Kreis Vechta, die regionalen Gelben Seiten und – totaler Irrsinn – zweimal „Das Örtliche“, um die Nummern aus nur einem Landkreis zu sammeln. Das überregionale Telefonbuch kommt mir gar nicht erst ins Haus.

Wenn ich mal schnell eine Nummer suche, wende ich mich an Seiten wie telefonbuch.dedasoertliche.de oder good old Google. Mein Rechner ist eh fast immer an. Und wenn nicht, habe ich die passende App auf dem iPhone. Da brauch ich nicht lange recherchieren und mich wundern, dass im Telefonbuch-Alphabet Ä nicht unter AE steht, sondern meist ganz am Ende des jeweiligen Alphabets.

Meistens suche ich Telefonnummern von Personen, die nicht im Kreis Vechta wohnen. Da bin ich trotz vier dicker Bücher aufgeschmissen.

Liebe Verlage, sucht euch andere Geschäftszweige. Telefonbücher sind out!

Telefonbücher dienen heute nicht mehr der Auflistung von Nummern und Namen, sondern den Verlagen, die mit Anzeigen ordentlich Geld scheffeln. Würde es nicht immer gnädige Firmen geben, die überteuerte Anzeigen buchen, hätten die Telefonbücher schon längst das selbe Schicksal erlitten wie Verzeichnis lieferbarer Bücher. In diesem mehrbändigen gedruckten Ungetüm wälzten noch bis in die 1990er Jahre hinein geübte Bücherei-Angestellte nach Literatur. In Zeiten von Amazon & Co. wird darüber nur noch müde gelächelt.

Und Anzeigen in Telefonbücher sind nicht billig. Im ganz dicken Telefonbuch für die gesamte Region Oldenburg kostet ein einfacher Eintrag, den man nur etwas fetten will, über 100 Euro. Wofür?

Suche ich eine Firma oder Organisation, die für gewöhnlich diese irren Anzeigen bezahlen, werde ich bei Google oder Bing wesentlich schneller fündig und sehe meist sogar direkt den richtigen Ansprechpartner auf dem Monitor.

Anderes Beispiel: Ich will eine Pizza bestellen. Nummer nicht bekannt. Ich finde aber keinen Eintrag unter „Pizzaria“ im Örtlichen oder Regionalen. Da muss ich zu Restaurant oder Gaststätte blättern – jeweils ganz weit auseinander. Wahnsinn.

Gut, dass es das Internet gibt. Telefonbücher sterben zwar noch nicht sofort aus, weil Oma XY immer noch nicht diesem „neumodischen Kram“ namens Internet traut. Doch irgendwann landet auch das letzte Telefonbuch im Altpapier. So wie die vier Platzdiebe in meinem Haushalt.

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