Meine erste Ausstellung – zwischen Lob und Missverständnis

Puh. Als die Veranstaltung, die Rahmen meiner Ausstellung bildete, endlich zuende war, fielen zentnerschwere Steine von mir ab. Auf diesen 2. Februar hatte ich seit November hingearbeitet. Viele positive Resonanz habe ich geerntet. Aber auch Kritik. Fazit meiner ersten Vernissage.

Die Sterne standen eigentlich nicht günstig für meine erste Fotoausstellung vor großem Publikum. Im November trug meine Arbeitskollegin die Idee an mich heran, ältere Frauen im Kreis Vechta zu fotografieren und nach ihrer Lebensgeschichte zu interviewen. Schon am 2. Februar sollte die Vernissage stattfinden. Für Konzeption und Umsetzung blieb 10 Wochen Zeit – und da muss die Weihnachtszeit, in der eh nichts passieren kann, abgerechnet werden. Außerdem bereitete ich die Ausstellung neben meinem üblichen Fulltime-Job vor. Wie ich die Idee umgesetzt habe, berichtete ich bereits in meinem vorgehenden Blogbeitrag.

Texte mit Fehlern

Weil so wenig Zeit blieb, konnte ich den 18 Frauen, die ich porträtiert habe, keinen Entwurf präsentieren. Auch die Text konnten nur wenige korrekturlesen. Es hätte den engen Zeitrahmen sonst gesprengt. Und so folgte, was kommen musste: Es schlichen sich in den Texten Fehler ein. Eine Dame machte ich glatt vier Jahre jünger, der anderen unterschlug ich einen Sohn und eine Dame missverstand Teile „ihres“ Textes. Doch die Ladies blieben cool, sie verziehen mir die Ungenauigkeiten.

„Ich seh ja aus wie ein Gnom“

Von einigen Damen ob ihrer zurecht zugestandenen Eitelkeit erntete ich aber viel größere Kritik: Ihnen missfiel meine Bildkombination. „Ich seh ja auch wie ein Gnom“, sagte mir eine Dame gleich zu Beginn der Vernissage im Ludgerus-Werk in Lohne. Ich hatte mit solchen Äußerungen gerechnet.

Meine Bildidee war es, Kopf, Hände und Füße zu fotogieren und damit die drei Fragen aufzuwerfen: Wer bin ich? Was tue ich? Wo komme ich her? Denn um diese drei Fragen drehten sich auch die Interviews. Das habe ich dann auch während der Ausstellungseröffnung erklärt.

Die Kombination regte zum genaueren Betrachten an. Die Bilder wurden nicht einfach wohlwollend zur Kenntnis genommen und gar nur im Vorbeigehen beachtet. Nein. Die Dreierkombination und der Text ließen den Betrachter vor dem Bild länger verweilen. Sie setzten sich mit dem Bild und der darauf gezeigten Person auseinander. Das ist so gewollt, denn die vielfach hoch interessante Lebensgeschichte einiger Damen kann nicht nur im Vorbeigehen zur Kenntnis genommen werden.

Doch das musste ich wiederholt den Vernissage-Besuchern erklären. Die waren zu 90 Prozent kein Fotografie affines Fachpublikum und besuchten meine Vernissage größtenteils nur, weil anschließend eine bekannte Autorin aus ihrem Buch vorlas.

Ich erntete allerdings von vielen, gefühlt den meisten, viel lobende Worte. Dem Publikum gefiel meine Bildbearbeitung in Schwarz-Weiß. Zum Glück hatte ich mich dafür entschieden. Meine ersten Entwürfe waren farbig. Doch durch die harten Kontraste zeichnet sich in vielen Bildern das bewegte Leben der Damen in ihren Gesichtern und Händen ab.

Fazit

Festzuhalten ist: Für die nächste Ausstellung nehme ich mir mehr Zeit. Zwischen Tür und Angel lässt sich ein solches Projekt nicht umsetzen. Auch werde ich die Fotografierten bei künftigen Projekten stärker einbinden. Das kostet zwar Zeit, erspart am Ende aber lästige Fragen oder gar harsche Ablehnung meiner Arbeit. Mehr Zeit sollte auch zwischen Bestellung der Bilder und Ausstellungseröffnung liegen. Zwischen Bestellung und Vernissage lagen 10 Tage. Die 120 x 80 cm großen Leinwände habe ich bei FOTOportoPro in Berlin bestellt. Ein toller Service. Die Bilder kamen perfekt per Paketpost an – zwei Tage vor der Ausstellungseröffnung.

Ich würde es aber wieder tun. Es mir unendlich Freude bereitet, mit den Frauen zu sprechen. Es waren reizenden Damen mit beeindruckenden Lebensgeschichten. Auf diesem Wege: Vielen Dank für Kooperation!

Wanderausstellung im Kreis Vechta

Jetzt wandert die Ausstellung „Älter, bunter, weiblicher“ durch die Rathäuser im Kreis Vechta. Wer schnell ist, kann die 18 Bilder im Foyer des Rathauses der Stadt Lohne (Vogtstraße 26 in 49393 Lohne) sehen.

 

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