Nächster Halt: Gingfeld

Ein Bahnhof ohne Gleisanschluss, ein Flugplatz ohne Landebahn und ein Hafen ohne offenes Gewässer. Wenn Manfred Thomann erklärt, dass seine Heimatsiedlung, das Gingfeld im Lohner Westen, zu Lande, zu Wasser und aus der Luft erreichbar ist, schüttelt der Zuhörer zunächst mit dem Kopf. Doch ein Schild am Ende der Straße “Gingfeld” gibt Manfred Thomann zumindest in einem Punkt recht: “Hauptbahnhof Gingfeld seit 1988″. Der grün-weiße Hinweis schmückt seit kurzem eine einladende Raststätte am Radweg zwischen Lohne und Dinklage, der ehemaligen Kleinbahnstrecke.

Wie vor 22 Jahren der Hauptbahnhof Gingfeld entstand, erklärt Manfred Thomann gerne. Spielt er doch die Hauptrolle in dieser Anekdote, die sich die Schützen der 27. Kompanie Gingfeld “Sanssouci” immer wieder erzählen. Im Schützenjahr 1986/87 stellten die Gingfelder mit Manfred Thomann ihren ersten Schützenkönig. Sein Nachfolger wurde 1987/88 der spätere Schützenpräsident Walter Meyer. Traditionell übernimmt die Kompanie, die den König stellt – Meyer ist Mitglieder der 11. Kompanie “Keet-Alt” – das Wachhäuschen von der vorigen Königskompanie. Diese Übergabe verbinden die Schützen oft mit einem großen Fest.


Als die Keet-Schützen vom Gingfeld das Wachhäuschen abholen wollten, kamen sie nicht zu Fuß, sondern mit dem Zug auf der damals bestehenden Bahntrasse Lohne-Dinklage. Die Bahn hielt auf dem Gingfeld an der Stelle, die heute die Bezeichnung Hauptbahnhof trägt. “Die Keet-Schützen haben das Schild mitgebracht und mir zum Geschenk gemacht”, erinnert sich Manfred Thomann. Ein Frage der Ehre war es also, 22 Jahre später den Hauptbahnhof in eine Raststätte zu verwandeln. Mit handwerklichen Geschick und unterstützt von einigen Nachbarn wurden der Platz gepflastert, Bänke aufgestellt und eine Verbindung zum Radweg geschaffen. Mit einem Fest feierten die Gingfelder die Fertigstellung ihres Hauptbahnhofes.

Und wie erreicht man das Gingfeld aus der Luft? Manfred Thomann weiß die Antwort: “Vor einigen Jahren musste hier ein Ultraleichtflieger auf dem Acker notlanden. Somit hatten wir auch einen Flugplatz.” Den Wasserweg zum Gingfeld kann der ehemalige Schützenkönig und Kompaniechef mit einem Augenzwinkern erklären: “Jedes Haus hat hier einen Anschluss an die Kanalisation.

Der Artikel ist erschienen in der Oldenburgischen Volkszeitung vom 22.06.2010

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